#14 – Seil, Schmerz und Herzklopfen

Seit einer Weile habe ich jede Menge Glück mit meinen Dates. Keine Sorge, es gibt noch genug Fails über die ich schreiben kann. Ich lernte auf meinem Weg „JN“ kennen. Wir schrieben eine Weile miteinander, mit Pausen dazwischen. Irgendwas an ihm blieb mir schon im Unterbewusstsein hängen, so dass ich mich immer mal meldete. Eines Abends haben wir uns dann spontan getroffen und wollten zusammen spazieren gehen. Ich entschied mich für den Spielplatz bei mir in der Nähe. Er holte mich ab und wir umarmten uns zur Begrüßung. Da wir uns über die Boundcon unterhielten, hat er mir sogar ein Boundcon-Tshirt mitgebracht. Habe mich darüber gefreut (:

Wir unterhielten uns nebeneinander schaukelnd, bis ich vorschlug dass wir uns in die Schaukelliege zusammen reinlegen. Es ging so viel um mich, dass ich mir schon sehr narzisstisch vorkam. Aber ja, ich rede schon gerne über mich selbst. Ich kenne viele Menschen und dementsprechend auch viele Antworten auf Fragen, die mir gestellt werden, aber er hatte es hinbekommen, dass ich bei manchen Dingen richtig überlegen musste. Stimuli im Hirn mag ich sehr. Außerdem hatte ich immer das Gefühl, dass er mich so gut durchschauen könnte. Irgendwie unheimlich, aber auch irgendwie sehr schön. Vielleicht muss ich mich nur daran gewöhnen.

Er musste recht früh wieder gehen, weil er für die Arbeit noch was tun musste, also liefen wir zurück. Auf dem Weg hat er sich an meiner Wirbelsäule entlang getastet. Er findet Rücken anderer Menschen interessant. Vor seinem Auto haben wir uns verabschiedet. Er küsste mich auf die Stirn und ich küsste ihn auf seine Wange. Wir umarmten uns. Nein, nicht das klassische „Ich sage tschüss“. Die Umarmung fühlte sich sehr lang und intim an. Ich fühlte mich geborgen und wohl in seinen Armen. Bis ich es versaut habe, weil da irgendwie ein super lautes Motorrad vorbeifuhr und ich einen Kommentar ablassen musste. Manchmal habe ich immer noch diesen Fluchtinstinkt in mir.

Ich sag’s euch. Es war schon nach diesem Treffen um nicht geschehen. Ich hatte schon länger nicht mehr so ein süßes Date. Also ohne Sex oder SM. Mir war klar, dass ich ihn gerne wieder sehen möchte. So fragte ich paar Tage später ob er schon was am Wochenende vor hat. Es hat sich herausgestellt, dass er früher zurück in seine Heimatstadt zieht, weil Job und so. Ich war schon wenig frustriert, aber ich hatte vor ein paar Wochen später zu ihm in die Stadt zu fahren, weil ich beruflich dort war. Also fragte ich ihn ob er mich aufnehmen würde. Er stimmte zu und ich freute mich, dass das Wiedersehen näher war als ich gedacht hätte. Wir hatten in der Zwischenzeit kaum Kontakt und ich hatte zwischendurch schon Sorge, dass das alles nicht klappen wird.

Als ich dort ankam, war er nicht da. Eigentlich fragte ich ihn ob er mich abholen würde, aber irgendwie hat er sich was die Uhrzeit anging vertan, aber wir haben es dann geschafft uns zu treffen. Wir gingen zu ihm nach Hause und haben uns unterhalten, bevor ich für ein paar Stunden eine Veranstaltung besuchen gegangen war. Ich blieb nicht lange dort und ich hatte so gesehen auch keine Motivation dort hinzugehen, aber Arbeit eben. Als ich sagte wann ich an der S-Bahnstation ankommen würde, hat er ich dort abgeholt und wir sind zusammen zurückgelaufen. Zuhause habe ich erstmal geduscht und wir haben noch mehr gequatscht. Ich mag es einfach total mit ihm zu reden. Und ihm zuzuhören.

Danach haben wir uns entschlossen bisschen was mit Seil zu machen. Er fesselte mich und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich liebe Seil einfach, da ich mich so gut fallen lassen kann. Nach der Seilsession lagen wir herum und redeten eine Weile weiter, bis er angefangen hat mich zu kitzeln. Gott, ich denke immer noch darüber nach, ob ich das auf meine Hardlimit-Liste setzen soll. Ich versuchte mich mit aller Macht irgendwie zu wehren und schrie einfach die ganze Zeit nur laut „Nein“, während ich einfach nur lachen musste, weil ich unglaublich kitzlig bin. Man fragte mich immer ob ich das kenne, dass es irgendwann so viel ist, dass man nicht mehr reagieren kann. Ja, ich war ganz nah dran.

Irgendwann ist es in Richtung Atemspiele und SM gegangen. Er liebt Druckpunkte. Und ich liebe diesen Schmerz. Auch die eine oder andere Ohrfeige flog. Ohrfeigen lösen in mir immer eine Art Demut aus, aber auf eine gute Art und Weise. Ich lag auf meinem Rücken und er war über mir. Er stützte seine Arme komplett auf meine Schlüsselbeine und sein Knie auf meinem Oberschenkel. Sein Körpergewicht war auf diesen drei Punkten. Es tat Scheiße weh. Ich liebte es. Er wollte das ich ihm in die Augen schaue. Das tat ich auch. Diesen Blick sehen nur Menschen, die mich überwältigen. Es ist ein Blick voller Hass und Verachtung. Weil ich weiß, dass die andere Person stärker als ich ist und ich nicht meine Kontrolle abgeben möchte.

Vielleicht ist es nur eine Art Herausforderung an mein Gegenüber. „Brich mich, wenn du es kannst. Ich lasse mich niemals unterkriegen.“ Ich erinnere mich, dass er sagte, dass ich netter schauen soll, aber ich kann diesen Blick nicht unterdrücken. Also habe ich noch mehr Schmerzen gekriegt. Er war wie ein Biest, das mich verspeisen möchte. Und er fuhr seine Krallen aus und kratzte Wild an der Stelle zwischen meinen Brüsten. Wow, es tat glaube ich noch ein paar Tage weh. Ich habe einfach nur geschrien und geschrien. Es war kein Schmerz, den ich einfach so wegatmen konnte. So viel Impact, dass ich keine Kontrolle mehr darüber hatte was mein Körper gerade tut. Es war schmerzhaft, jedoch sehr intim und befreiend.

Nach dem allem haben wir uns in die Augen geschaut und mussten einfach lachen. So richtig herzlich, lang und viel. Ich muss dazu sagen, dass wir auch eine jede Menge Weed konsumiert haben. Vielleicht lag es daran. Vielleicht aber auch nur, weil wir glücklich waren und eine gute Zeit hatten. Es klingt jetzt als wäre er super brutal. Im Gegenteil. Er war sehr fürsorglich. Ich hörte nach einer sehr langen Zeit wieder die Worte „gutes Mädchen“, gefolgt von einem Streicheln durch meine Haare. Er hielt mich auch in seinen Armen und sagte zu mir: „Ich hab‘ dich.“ Ich fühlte mich stark und sicher und wusste, dass ich all die Schmerzen durchstehen kann. Ich vertraute ihm, dass er auf mich aufpassen würde und küsste ihn auf seine Wangen.

Wir haben getrennt geschlafen. Beide Nächte. Am nächsten Tag haben wir uns was beim Bäcker und Obst geholt und saßen auf einer Bank am See rum. Wir beobachteten Enten, kuschelten und hatten eine gute Zeit. Als es angefangen hatte zu regnen, sind wir in ein Lokal gegangen um Heißgetränke zu uns zu nehmen. Ich war frech und ärgerte ihn damit, indem ich den Tisch hin und her gekippt hatte und sein Tee rüberschwabbte. Die Rechnung hatte ich später in der U-Bahn zurückbekommen in Form von Atemspielen. Es war aufregend. Ich stand angelehnt die Wand und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass irgendwas ist. Es war nicht so einfach, den Atem ruhig zu halten und keine Panik zu bekommen. Ahw, ich fand es toll <3

Kinkweise ist dann nicht mehr viel passiert. Ich reiste am nächsten Morgen ab und habe jede Menge unsichtbare blaue Flecken mitgenommen. Eigentlich prahle ich immer damit, dass man bei mir nie Spuren sieht, aber diese eine kleine sichtbare Spur ist immer noch da. Das seit schon über einen Monat. Wir haben wie ich mir schon vorher gedacht hatte keinen Kontakt. Dinge sind aber okay zwischen uns. Er ist einfach nur kein Mensch, der gerne schreibt. Ich denke gerne zurück an diese Erfahrung und finde es schon schade, dass es nicht mehr ist, als es jetzt ist. Aber es ist okay. Ich bin mir sicher, dass wir uns wieder begegnen werden (:

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