faq #2 – Einstieg ins Kink

Da ich sehr oft die selben Fragen gestellt bekomme, dachte ich mir, dass ich diese heute mal im Allgemeinem beantworte. Wenn nicht alle abgedeckt werden, fragt mich einfach direkt (:

Ich glaube, ich stehe auf kinky Dinge… Was soll ich tun? 
  • Glückwunsch! Du hast einen Teil von dir entdeckt, der voll mit Neugier und Sehnsüchte gefüllt ist! Die meisten haben sich im Vergleich zu mir, sicherlich vorher Pornos dazu reingezogen oder hier und da gelesen. (Ich wusste nicht mal, dass Kink real ist.) Die erste Quelle, die ich gewählt hatte war das Internet. Es gibt eine Menge Communities mit Gleichgesinnten, wo man sich austauschen kann. Manche Dinge habe ich real erlebt, bevor ich viel dazu wusste. Im nachhinein hatte ich Glück, denn wenn der andere auch keine Ahnung davon gehabt hätte, was er tut, das mächtig in die Hose gehen kann. Aber wenn ihr Glück habt, entwickelt sich vielleicht Sympathie und ihr findet Spielpartner/Freunde.
  • Mir war texten und sehr viele Einzeldates stressig und trocken geworden. Ich wollte eher reale Dinge, also habe ich mich umgeschaut was es für Stammtische in meiner Gegend gibt. Ich ging zu ersten Stammtisch allein und war komplett nervös! Aber ich hatte einfach niemanden, den ich hätte fragen können, ob er mich begleiten könnte. Dafür habe ich mich schon öfters als Begleitung angeboten für diejenigen, die sich allein nicht trauen. Ich gehe gerne zu Stammtischen. Man lernt immer wieder neue Leute kennen und es ist schön zu wissen, dass man frei über seine Kinks und Sexualität sprechen kann, ohne das man einfach komplett komisch angeschaut wird. Nicht alle Stammtische sind passend für euch. Nur weil es einmal ganz schrecklich war, heißt es nicht, dass es bei den anderen auch so sein wird.
  • Ich war noch nie auf einer Playparty, aber für manche Leute ist es vielleicht ein guter Einstieg. Für Leute, die sich speziell für Shibari interessieren, gibt es auch Fesseltreffs. Es gibt sicherlich noch andere Dinge, wo man sich mit anderen Leuten treffen kann, aber da möchte ich heute nicht ins Detail gehen.
Ich traue mich einfach nicht… Werde ich für immer unbefriedigt bleiben?
  • Ja! Für manche Leute ist Sex schon sehr intim und BDSM kann noch tiefer gehen. Fakt ist, neue Dinge sind immer unheimlich. Und auch Fakt ist, dass wenn man seine Komfortzone nicht verlassen kann, nicht viel im Leben erreicht. Es ist normal unsicher zu sein. Protip: Augen aufhalten, Initiative ergreifen und geduldig sein. (Es gibt sehr viele Dinge, die ich gerne machen würde und sogar als ungeduldiger Mensch, hat sich damit abgefunden, das man nicht immer alles sofort haben kann.)
Ich weiß gar nicht worauf ich eigentlich stehe. Wie finde ich es heraus?
  • Vieles kann man an sich selbst ausprobieren. Und bei anderen Dingen kann man sich eben langsam rantasten. Manche Menschen brauchen mehr Reize, andere weniger. Außerdem ändern sich Dinge auch. Plötzlich steht man auf Dinge, die man vorher ganz schräg und schrecklich fand. Auch hier gilt, manches ist in der Fantasie um vielfaches besser als in der Realität. Wenn euch was nicht gefällt, einfach was anderes ausprobieren oder mit jemandem anderes. Denn es fühlt sich immer wieder anders und neu an.
Ich bin gar nicht sicher ob ich wirklich devot oder dominant bin. Ist es komisch?
  • Keinesfalls. Außerdem gibt es auch Switcher! (Man liest manchmal, dass Switcher abgewertet werden und damit abgestempelt werden, dass sie sich einfach nur nicht entscheiden können oder nichts halbes und nichts richtiges sind. Aber who fucking cares was die anderen sagen? Ich mag mein Geschenk auf beiden Seiten Befriedigung zu finden. Und warum muss ich mich denn entscheiden?) Oft kommt auch die eine oder die andere Seite zum Vorschein, je nachdem was für eine Person vor einem steht/liegt/kniet oder wie auch immer, haha. Man muss sich nicht mal mit devot oder dominant definieren. Ich habe auch Freundschaften, wo nicht viel Gefälle vorhanden ist. Wir testen einfach zusammen kinky Dinge an einander und haben Spaß.
Wie finde ich eine/n Dom oder Sub für mich?!
  • Diese Frage ist grausam. Es ist genau so niveaulos wie die Frage wie man jemandem zum ficken bekommt. Egal ob Sub oder Dom oder was auch immer die Definition ist, bleibt es nur eine. Wir sind primär Menschen. Mit Wünschen und Bedürfnissen, keine Wunscherfüller oder Arschhinhalter. Wenn man jemanden nur wegen Kink möchte, dann sollte man damit rechnen dafür zu bezahlen. Klar gibt es Leute, die mit dir unbedeutenden Sex haben werden oder unverbindlich BDSM, aber aus meinen eigenen Erfahrungen habe ich mir eingestanden, dass es nicht erfüllend ist. Deswegen lieber nichts haben, als was für den Moment. Meine persönlicher Kommentar dazu: „Ich bin vielleicht eine Slut, aber nicht deine.“
Ich glaube, ich habe eine Identitätskrise und weiß nicht wie ich mich definieren soll.
  • Ihr müsst euch nicht mit irgendwas identifizieren oder es anderen Recht machen. Jeder steht erstmal im Dunkeln, wenn sie ein neues Territorium betreten. Protip: Die eigene Geschwindigkeit finden und jemanden, der die Grenzen akzeptiert, mit der ihr eure Ängste und Gedanken teilen könnt.
    Wie macht man das in Spielen? Erstmal die Umgebung checken, Verbündete finden und dann in den Kampf gehen! Wenn das Spiel komplett schlecht ist, die guten Erfahrungen mitnehmen und irgendwann ein neues versuchen? (Sorry, bin derzeit bisschen im Nerdmode. Wer will mir Frostpunk schenken?)
Wie fühlt sich Kink an? Ist es anders als Sex?
  • Für diese Fragen gibt es keine Antwort. Es ist für jeden was anderes. Manche brauchen nur ab und zu Abwechslung, mache können sich keine Vanillabeziehung vorstellen. Für manche ist es Sex, für andere eine andere Welt außerhalb vom Sex. Wie definiert man schon Sex? Ist Petting schon Sex? Blowjob? Beißen? Nackt vor jemandem sein? Wie fühlt sich Sex überhaupt an? Protip: Findet es einfach selbst heraus.

 

Ich schreibe auch sehr viel drüber wie ich manche Dinge empfinde in meinen totd’s (topic of the day). Man kann sich natürlich bisschen daran orientieren, aber letztendlich ist es nur meine Sicht der Dinge.

Meine Motivation dieses faq zu schreiben kam durch eine Person, die meiner Meinung nach sehr ehrlich und interessiert ist, mehr über dieses Thema zu erfahren. Hiermit entschuldige ich mich, dass meine Antwort erst ein paar Tage später kommt. Vielleicht gibt es eines Tages wieder ein faq, wenn sich Fragen gesammelt haben (:

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2 Gedanken zu “faq #2 – Einstieg ins Kink

  1. Hallo yuuself

    Wiederholt ein sehr schöner Blog. Gut, ich bin nicht wirklich kinky (glaube ich zumindest) aber Du hast das Thema sehr gut gewählt und sehr ausführlich umrissen. Auch finde ich deine Tipps wirklich brauchbar.

    Ich kann mir jedenfalls sehr gut vorstellen, dass man in der Anfangsphase (also der Phase wo man erkennt, dass man auf einen gewissen Fetisch abfährt) eher sich selber gegenüber skeptisch sein kann. Je mehr man sich mit seinem Kink beschäftigt, um so mehr Fragen tun sich auf. Wenn man dann damit alleine ist oder gelassen wird, dann stelle ich mir es auch schwierig vor, damit glücklich zu werden.

    Bei einigen Kinks kann ich mir auch gut vorstellen, dass ein „outing“ schwierig ist, weil man nicht wirklich weiß, wie die Umwelt darauf reagiert. Nicht zu selten werden diese Fetische verborgen gehalten oder im Geheimen ausgelebt. Dabei sollte doch jeder nach seinem Facon glücklich werden, außer es kommt mit dem Gesetz in Konflikt.

    • Danke für das positive Feedback! Ich war mir nicht ganz sicher ob meine Tipps wirklich brauchbar sind (:

      Ja, ich war auch sehr unsicher und neugierig. Ich hatte zum Glück Menschen gefunden, den ich meine Fragen stellen konnte und auch Mentoren, die mir bisschen Sicherheit geschenkt haben. Naja, Glück ist relativ, ich bin sogesehen auch auf die Leute zugegangen.

      Es ist schon Schade, dass man sich für Dinge schämt, die man toll findet. Ich habe mich auch ewig lang für eine Geschichte geschämt und gedacht, dass ich es niemals jemandem erzählen könnte. Die erzähle ich nächstes Mal bei Sexfails :). Klar, wenn es nicht mit dem Gesetz vereinbart werden kann, ist es eine andere Geschichte.

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