Grundlagen: Fake-Silikon und Amazon-Sextoys

Dies ist ein Grundlagen-Artikel. Er soll euch zur Orientierung in der Welt der Sextoys dienen. Ich werde ihn updaten, wenn es etwas neues zu berichten gibt.

In meinem letzten Artikel habe ich euch etwas über Sextoy-Materialien erzählt. Und im Abschnitt über TPR/TPE habe ich folgendes geschrieben:

TPR oder TPE sind wahre Verwandlungskünstler. Es gibt sie in vielen verschiedenen Farben, Festigkeitsgraden und Formen. Und wenn TPR/TPE so genutzt werden, dass es wie Silikon aussieht, dann kann es auf Bildern sehr schwierig werden, sie von echtem Silikon zu unterscheiden. Das gilt insbesondere für Dual-Density Silikon.

Und jetzt ratet mal, was bei vielen Online-Händlern als Silikon-Sexspielzeug verkauft wird? Ganz genau! Dazu werde ich bald noch ein wenig ausführlicher schreiben.

Und genau das werde ich jetzt machen. Werfen wir also einen Blick auf Fake-Silikon und wie ihr euch davor schützen könnt.

Das Problem

Silikon ist teuer. Nicht so teuer wie Edelstahl, aber immer noch teuer. Gleichzeitig ist es ein Material, was für Sextoys super geeignet ist. Sicher für den Körper, nicht porös, und in fast jede Form formbar. Das weiß mittlerweile fast jeder, der ein Sextoy kaufen will. Und Hersteller, die Sextoys verkaufen, wissen das ebenfalls.

Gleichzeitig gilt immer noch, dass Leute sich lieber etwas billiges kaufen als etwas teures. Vor allem, wenn es das erste Sextoy ist…man muss ja erstmal ausprobieren, ob das etwas für einen ist. Da ist es leichter 15€ auszugeben als 75€. Auch das wissen die Hersteller.

Nun gibt es einige Hersteller, die daraus die richtigen Schlüsse ziehen und einsteigerfreundliche Silikon-Toys herstellen, die man für wenig Geld kaufen kann. Um diese Hersteller geht es heute nicht. Heute geht es um andere Hersteller, die üblicherweise eine von zwei Methoden wählen, um Kunden reinzulegen.

Variante 1

Neuer Name. Diese Hersteller ändern ein Material ganz leicht und benennen es dann einfach um, so dass der neue Name ähnlich wie Silikon klingt. Bestes Beispiel dafür ist das „Sil-a-Gel“ von Doc Johnson. Der Name klingt ein bisschen wie Silikon und wird gerne als „anti-bakteriell“ und „silikon-ähnlich“ beschrieben. Am Ende ist Sil-a-Gel aber schlicht und einfach ein Zusatzstoff zu PVC-Sextoys. PVC ist, wie ihr vielleicht noch aus dem letzten Artikel wisst, kein gutes Material für Sextoys. Mittlerweile stellt Doc Johnson diese Dildos zum Glück nicht mehr her.

Diese Methode ist definitiv undurchsichtig, aber sie ist nicht illegal. Das einzige was dagegen hilft ist Aufmerksamkeit. Sie wird viel von größeren Marken angewendet, die die Resourcen für eine solche Umbenennung aufbringen können. Das ist finde ich sehr schädlich, aber zum Glück scheint es in letzter Zeit seltener vorzukommen. Von der zweiten Methode lässt sich das leider nicht behaupten.

Variante 2

Silikon draufschreiben, obwohl etwas anderes drin ist. Ein echt simples Prinzip: TPR-Toy in die Verpackung, „Silicone“ oder sogar „Dual-Density Silicone“ draufschreiben, fertig. Hier haben wir es mit Herstellern zu tun, die uns schlicht und einfach anlügen. Und leider passiert das relativ häufig. Insbesondere beim größten Online-Händler der Welt: Amazon.

Warum ist das so? In letzter Zeit gibt es eine größere Aufmerksamkeit auf chinesische Scammer, die Produkte auf Amazon verkaufen und damit etablierte Hersteller verdrängen, wie diese WSJ-Reportage zeigt. Bei Sextoys ist das schon lange so. Viele dieser Produkte kommen aus China und unterliegen beim Import keinerlei Regulation. Diese Händler verkaufen also Sextoys, die nicht aus Silikon sind (also günstig) und gleichzeitig aussehen und beschrieben werden wie Silikon-Toys (also attraktiv für den Kunden). Bei Händlern wie Amazon gibt es zudem kein festgeschriebenes Material-Feld, anders als zum Beispiel bei Lovehoney oder Eis.de. Auf Amazon einen Dildo zu kaufen ist häufig, man muss es einfach so sagen, Glücksspiel. Gleiches gilt für Seiten wie Aliexpress, Ebay oder Wish.

Das Ausmaß

Ich habe mir für euch mal angeschaut was passiert, wenn man auf Amazon nach „Silikon Dildo“ sucht. Um es vorweg zu nehmen: Die Ergebnisse sind unschön.

Bild1

So sieht die erste Seite auf Amazon aus, wenn man nach „Silikon Dildo“ sucht. Viel von dem, was ihr hier seht, ist kein Silikon. Eine Material-Filterfunktion gibt es nicht.

Wir haben hier 16 Dildos (zwei davon im Screenshot nicht zu sehen).

Zwei davon sind ziemlich sicher Silikon.

Zwei weitere sind definitiv nicht Silikon, sondern Jelly, TPE oder TPR.

12 weitere könnten theoretisch Silikon sein, bei einigen habe ich aber größere Zweifel. Ein paar Dildos werden als „Dual Density“ bezeichnet, was definitiv Blödsinn ist – einen Dildo aus Dual Density Silikon gibt es nicht für 30€, die gehen üblicherweise ab 50€ los und können leicht in Sphären jenseits der 100€ landen. Bei fast allen ist die Wahrscheinlichkeit meiner Ansicht nach höher, dass es sich nicht um Silikon handelt. Ohne sie in der Hand zu haben kann ich es leider nicht definitiv sagen.

Wir sind also bei 2/16, die ich hier bedenkenlos empfehlen würde. Gesucht habe ich wiegesagt explizit nach einem „Silikon Dildo“, und das ist die allererste Seite. Keine gute Quote bislang!

Und leider geht es gerade auf Amazon auch immer so weiter. Es gibt zum Beispiel viele exakte Repliken eines bekannten Edelstahl-Toys, welches zu einem Preis angeboten wird, für den es definitiv kein reines Edelstahl-Toy gibt. Ich möchte überhaupt nicht abstreiten, dass dort auch viele gute Sachen angeboten werden. Aber leider kann man sich eben hier nie ganz sicher sein, was man am Ende tatsächlich bekommt.

Ich habe das gleiche auch bei Aliexpress versucht. Dort musste ich eine ganze Weile scrollen, bis ich überhaupt auf das erste Toy gestoßen bin, das einigermaßen nach Silikon aussah. Schlechter geht es natürlich immer. Aber auch „nicht ganz so schlimm“ kann meiner Ansicht nach nicht gut genug sein, wenn es um Sexspielzeug geht!

Der Test für zuhause

Ihr habt ein Sextoy gekauft, von dem ihr euch nicht sicher seid, ob es aus Silikon ist oder nicht. Vielleicht stand Silikon auf der Packung oder in der Artikelbeschreibung, aber wir haben ja schon gesehen, dass das nichts heißen muss.

Gibt es einen Test, mit dem ihr rausfinden könnt, ob es sich um Silikon oder um TPR/TPE handelt? Ja, zum Glück gibt es den tatsächlich, nämlich den Flammen-Test. Alles was ihr dazu braucht ist das Sextoy und ein Feuerzeug/Streichholz.

Die Idee ist folgende: Silikon verändert sich normalerweise nicht groß, wenn es kurz in Kontakt mit Feuer kommt. Stattdessen bildet sich etwas Asche, die sich leicht wieder abwischen lässt. Es kann zu leichten Materialveränderungen kommen, die sind aber relativ klein.

TPR/TPE hingegen ist leicht entflammbar und „schmilzt“ unter Hitzeeinwirkung relativ schnell weg. Unten seht ihr ein Video, in welchem das passiert. Natürlich ist die Realität etwas komplizierter, und in diesem Artikel könnt ihr noch ein bisschen mehr dazu lesen. Aber grundsätzlich funktioniert dieser Test sehr gut, um Silikon von TPR/TPE zu unterscheiden.

Ich will damit natürlich nicht sagen, dass ihr jetzt sofort alle eure Sextoys anzündet (falls ihr es doch macht bin ich gespannt auf eure Erlebnisse). Aber ihr könnt so etwas zum Beispiel sehr gut an der Basis von einem Dildo versuchen. Selbst wenn dort leichte Schäden von einem solchen Test zurückbleiben beeinträchtigt das den Nutzen des Toys überhaupt nicht.

Ich wollte es auch mal ausprobieren und habe den Flammen-Test mit zwei meiner Dildos gemacht: Dem Lovehoney Lifelike Lover und dem Doc Johnson TruRide. Das Resultat seht ihr unten. Die Flamme produziert einen Fleck schwarzer Asche, der sich aber relativ problemlos wieder abwischen lässt. Hier ist der Silikon-Test also bestanden.

Was kann ich tun?

Es gibt eine sehr einfache Möglichkeit, Fakes zu vermeiden: Kauft nicht bei Amazon! Kauft stattdessen direkt bei den Herstellern, oder bei vertrauenswürdigen Sextoy-Händlern! Davon gibt es viele. Lovehoney ist eine gute Option mit sehr breiter Auswahl. Auch Amorelie ist eine gute Alternative. Eis.de hat zwar viele Toys aus unsicheren Materialien, aber ihr könnt euch auf die Materialangabe dort verlassen. Ihr könnt natürlich auch zu eurem lokalen Sextoyladen gehen und euch dort beraten lassen. Optionen gibt es auf jeden Fall genug! Das könnt ihr tun, und ich empfehle euch sehr, das zu tun.

Aber ich weiß auch, dass die Realität oft nicht so einfach ist. Amazon ist für viele Leute der erste Anlaufpunkt, wenn es um Online-Shopping geht. Ich habe früher selbst viele Sextoys bei Amazon bestellt. Manchmal mache ich das immer noch, auch wenn ich es mittlerweile versuche zu vermeiden. Und Funktionen wie Wishlists oder Prime Shipping sind eben manchmal auch einfach praktisch. Deswegen hier für euch der Versuch, einen guten Mittelweg zu finden, wenn es um Sextoy-Käufe auf Amazon geht. Hier geht es um eine Minimierung des Risikos…ihr müsst euch immer bewusst sein, dass es unmöglich ist, dieses Risiko vollständig zu eliminieren!

Worauf solltet ihr also achten? Folgende Punkte können dabei helfen, das Risiko zu reduzieren:

Kauft keine No-Name Produkte! 

Dies ist der wahrscheinlich wichtigste Punkt. Wenn ihr euch oben den Amazon-Screenshot anschaut, dann gibt es dort keine Marken-Namen. Alternativ sind es Marken, von denen man noch nie gehört hat. Überlegt also vorher, welches Toy ihr kaufen wollt, und sucht dann auf Amazon danach. Findet raus, ob eine Marke vertrauenswürdig ist, eine gut aussehende Web-Präsenz hat, auf Social Media auftritt, von Reviewern empfohlen wird. Schaut, ob der Amazon-Verkäufer gut aussieht, ob er Prime-Shipping anbietet, ob die anderen verkauften Produkte gut aussehen. Wenn das nicht der Fall ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ihr ein schlechtes Produkt bekommt.

Der Vollständigkeit halber muss gesagt sein: Selbst wenn ihr das alles macht, ist längst nicht garantiert, dass ihr ein gutes bzw. ein Original-Produkt bekommt. Diese beiden Artikel gehen sehr gut auf die Probleme ein, die es dort geben kann. Im Wesentlichen kontrolliert Amazon den gesamten Versand, und ob die entsprechenden Produkte im Lager ein Original sind oder nicht kann auch Amazon nicht ausreichend kontrollieren. Wiegesagt, es ist und bleibt ein Risiko.

Achtet auf die Verpackung. 

Die meistens Sextoys kommen in einer speziell designten Verpackung für dieses eine Sextoy. Diese könnt ihr auf der Seite des Herstellers anschauen. Wenn ein Toy nicht in dieser Verpackung, sondern in einer Amazon-Folie zu euch kommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Fälschung höher.

Nutzt die Rückgabe-Funktion. 

Ich hasse es, online gekaufte Sachen zurück zu schicken. Aber manchmal ist es eben notwendig. Ich habe mir einmal auf Amazon einen Vibrator bestellt, der dann hier ankam und ganz klar ein Ausschussprodukt war…die Vibrationen waren viel zu schwach und der Vibrationskopf unter der Silikon-Kappe war komplett mit Tape verklebt, was bei dem Original nicht der Fall sein sollte. Das war im übrigen kein No-Name Produkt und aus einem Sale am Prime-Day…also alles oben richtig gemacht, und immer noch etwas minderwertiges bekommen. In so einem Fall hilft euch nur die Rückgabe-Funktion. Ja, das produziert Ausschuss und andere unschöne Nebeneffekte. Ja, es wäre schöner, wenn es eine andere Alternative gäbe. Leider gibt es die nicht.

All diese Punkte können euch dabei helfen, das Risiko von unsicheren oder gefälschten Sextoys zu reduzieren. Ich muss es noch einmal sagen: Eliminieren könnt ihr dieses Risiko nicht. Außerdem gelten diese Punkte spezifisch für Amazon. Für Seiten wie Ebay, Aliexpress und Wish kann ich euch diese Empfehlungen nicht machen. Bitte vermeidet diese Seiten wenn irgendwie möglich.

Zusammenfassung

Ich weiß, dass dieser Artikel ziemlich düster klingt…das bringt das Thema einfach mit sich. Es gilt aber nach wie vor: Ihr als Käufer habt alle Möglichkeiten, solange ihr Bescheid wisst!

Ja, es gibt Sextoy-Hersteller, die euch belügen. Ja, viele Online-Händler verkaufen Fakes auf ihren Seiten, entweder weil sie es nicht besser machen können oder besser machen wollen. Aber ihr habt die Möglichkeit, Hersteller zu suchen, die im Kundeninteresse handeln. Ihr habt die Möglichkeit, bei Händlern zu kaufen, die es besser machen. Seid euch dieser Macht bewusst und nutzt sie! Ich werde hier weiter Sextoys testen, die von vertrauenswürdigen Herstellern und aus sicheren Materialien sind. Damit kann ich euch hoffentlich ein wenig bei der Suche unterstützen!

Ein Gedanke zu “Grundlagen: Fake-Silikon und Amazon-Sextoys

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