Shibarilog #4 – Übungspartner?!

Man hört es überall: „Ich würde ja gerne mehr Zeit mit Shibari verbringen und zu üben, aber ich habe leider niemanden, mit dem ich es machen kann.“

Meine Meinung dazu? Es ist nicht so einfach. Vielleicht einfacher als einen „Liebespartner“ zu finden, aber es gibt trotzdem viele Faktoren, die zwischen den zwei Menschen stimmen müssen. Ich habe am Anfang gedacht, dass es eigentlich ziemlich egal ist mit wem man übt. Derjenige soll sich für mich hinstellen und mit sich machen lassen. Wenn man sich dabei nett unterhalten kann, dann passt es schon. Wie ich mich geirrt habe. Gleich erzähle ich euch wie ich bei meinen ersten zwei Bunnies gefailt habe.

Man kann natürlich viele verschiedene Übungspartner haben und es ist nicht verkehrt unterschiedliche Körper kennen zu lernen, aber es bringt einen auf Dauer viel weiter, wenn man jemanden hat, den man regelmäßig sieht. Wahrscheinlich wäre es am einfachsten es mit dem Liebespartner zu tun, aber Liebe kann man sich nicht immer aussuchen. Zumindest ist es alles bisschen komplizierter, als eine Freundschaft aufzubauen. Vielleicht schüttelt der eine oder andere den Kopf, aber es ist für mich zumindest einfacher. Und ohne eine gewisse Freundschaft, könnte ich mir keine Beziehung vorstellen.

Dann muss es zeitlich gut passen und man sollte auf eine gewisse Weise gemeinsame Ziele haben. Bringt ja nichts, wenn einer total fasziniert ist und der andere meint, dass man sich ja einmal im Monat treffen könnte. Beide sollten was für sich mitnehmen können. Sich vertrauen und miteinander wachsen. Ich muss sagen, dass meine Fesselpartnerin die einzige Person ist, die zeitlich meine Priorität ist. Letztens lernte ich jemanden kennen, der mich gerne als Übungsbunny haben möchte, aber da muss ich noch ein paar Dinge klären. Ansonsten fessel ich ab und an mit Menschen, die ich mag. Wobei ich sagen muss, dass es eher wenig mit üben zu tun hat. Gelernt habe ich, dass es trotzdem die Seilführung und Bodyhandling verbessert.

Die erste Person, mit der ich mich zum üben verabredet habe, war für mich eine schreckliche Erfahrung. Ich würde nicht sagen, dass es an mir oder an ihm lag, die Chemie war für mich nicht da. Zumindest nicht so wie er es sich vielleicht erwartet hätte. Ich hatte an ihm meine ersten TK’s geübt, die übrigens grausam waren. Die Bilder bewahre ich für immer nur für meine Augen. Wir haben uns recht gut verstanden und über dies und das gequatscht. Es war vereinbart, dass er irgendwann wieder nach Hause fährt. Nachdem wir fertig mit üben waren, haben wir zusammen gekifft und plötzlich hatte meine sadistische Ader ihren Auftritt und es endete damit, dass ich ihm den Rücken zerkratzt habe.

Ich kuschelte und streichelte ihn nach der Session. Aftercare und so. Da meine Kommunikationsskills völlig versagt haben, weiß ich nicht genau was er dachte. Weil plötzlich wollte er doch bei mir übernachten. Normalerweise hätte ich gefragt aus welchem Grund er das möchte, da wir ja was anderes besprochen hatten, aber ich tat es nicht. Aus Pflichtgefühl habe ich ja gesagt, weil ich dachte, dass manche Menschen vielleicht einfach mehr Aftercare brauchen. Wir gingen irgendwann schlafen und ich kann es wirklich nicht ab da zu kuscheln. Ich brauche Platz und Ruhe, damit ich mich entspannen kann. Deshalb besitze ich auch zwei 2x2m Decken damit man bloß keinen Körperkontakt haben muss.

Er versuchte „heimlich“ unter meine Decke zu graben und sich an mich zu kuscheln. Ich fand es grausam und sagte aus Reflex auch, dass ich kuscheln hasse. Dabei habe ich nicht unbedingt was dagegen, Ich bin nur sehr zurückhaltend in dem Punkt. Naja, egal. Ich war wirklich bis zum Morgengrauen wach und hoffte er würde sich nicht in meine Richtung bewegen. Zwischendurch hat er ein Bein um mich gelegt, ich war so verstört. Ich erinnere mich noch mit Artemis gechattet zu haben und mich bei ihr ausgeheult zu haben wie schrecklich ich mich doch fühle. Da bin ich selber Schuld, ich hätte mehr meine Grenzen beachten sollen. Am nächsten Morgen haben wir uns noch bisschen regedet und er ist dann nach Hause gegangen. Wir haben sporadisch noch miteinander geschrieben, aber das hat sich auch gelegt. Er hatte eine Herrin gefunden und ich habe mich für ihn gefreut.

Mein nächster Übungspartner sollte eigentlich der erste gewesen sein. Sein Handy war angeblich kaputt und er hat den Weg zu meiner Wohnung nicht gefunden, deswegen fand das erste Treffen nicht statt. Ich fand die Ausrede ziemlich lahmarschig, aber ich entschloss mich ihm eine Chance zu geben. Er war ganz nett, bisschen bubihaft und schüchtern, aber ich kam mit ihm klar, weil ich meine Freiheiten hatte. Wenn ich darüber schreibe und zurückdenke, klingt das alles nicht nach einer guten Basis, aber wie oben erwähnt, wusste ich es nicht besser. Er erwartete auch vollkommen was anderes als ich es tat.

Wir hatten uns glaube ich drei Mal insgesamt zum üben getroffen. Wir hatten uns auch öfters über BDSM unterhalten und er erwähnte das eine oder andere Mal, dass er gerne dieses und jenes mal ausprobieren möchte. Ich wies ihn meistens nur freundlich zurück mit den Worten „vielleicht irgendwann, wenn mir danach ist“. Wünsche erfüllen ist was schönes, aber auch nur, wenn man es selber auch tun möchte. Das wollte ich nicht. Mein Kopf war zu der Zeit sehr weit weg vom BDSM an sich. Ich dachte nur noch ans Shibari und üben und alles andere hat mich wenig interessiert. Nerd eben. Ich versuchte es ihm auch immer klar zu machen, aber schade, dass er sich wohl trotzdem Hoffnungen gemacht hat.

Das Schlimmste an allem waren nicht die komischen Kommentare wie „Wie fandest du es mich da so gefesselt zu sehen? Wolltest du Dinge mit mir tun, als ich wehrlos war?“. Ich empfand es als nervig, weil ich eher an die Knoten und Sicherheit gedachte habe. Da war kein Platz für erotische Gedanken. Was mich dazu bewegt hat darüber nachzudenken, das zu beenden war, dass er mir erst eine Weile später gesagt hatte, dass er eine längere Zeit Rückenschmerzen nach dem Hogtie hatte. Warum verheimlicht man sowas? Außerdem hatte er mir öfters Bilder von krassen Fesselungen geschickt, die er selber nie machen könnte, aber sich gewünscht hatte. Ich war sehr geduldig und erklärte ihm, dass es nicht geht und dass er besser mit mir kommunizieren muss.

Januar war ein beschissener Monat für mich, dass ich ziemlich lange erkältet war. Ich wollte ihn mit zu einem Fesseltreff mitnehmen, aber wegen der Erkältung absagen musste. Ja, es ist nie schön, wenn Verabredungen nicht stattfinden, vorallem, wenn man sich gefreut hat, aber ich hatte einen guten Grund nicht fesseln zu können. Anstatt mir gute Besserung zu wünschen, hat er versucht mit mir auszuhandeln, das wir uns irgendwie doch treffen könnten. Er hatte sich wohl vernachlässigt gefühlt, weil wir uns zwischen den Feiertagen nicht gesehen hatten. Ich hatte die Faxen dicke und habe ihm breit und weit erklärt, warum er so wie alle anderen Menschen mich nicht unbedingt jede Woche sehen können.

Er ist darauf auch nicht besonders eingegangen und für mich war es dann auch das Ende. Plötzlich hatte er sich nach einer Weile wieder gemeldet. Er hatte mir eine läppische Entschuldigung hingeklatscht und mich gefragt ob wir uns doch wieder treffen könnten. Ich habe nur ganz trocken mit: „Nein, das war’s.“ geantwortet, woraufhin er sogar die Nachricht mit der Entschuldigung und Anfrage gelöscht hatte. Es ist besser so, dass da nichts daraus geworden ist. Lieber früher als später.

Wie findet man also einen Übungspartner? Im Internet kann sich sicher was ergeben oder wenn man möglichst real Leute treffen möchte, dann sollte man das eine oder andere Fesseltreffen in der Umgebung besuchen. Man unterhält sich und Dinge ergeben sich. Wie das eigentlich immer so ist. Was natürlich nicht bedeutet, dass keine Arbeit dahinter steckt. Zwischenmeschliche Bedürfnisse, Kommunikation… ProTip: Man sollte mindestens eine gute Freundschaft mit seinem Fesselpartner pflegen.

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