totd #19 – Rope Bottoming

Die Routine geht weiter! Und das Kaffeetrinken! 8 Stunden am Tag rumsitzen und jemandem zuzuhören ist echt hart. Wenn ich nicht darüber getestet werden würde, würde ich einfach nur schlafen. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, ob ich es überhaupt schaffe diese Woche irgendwas zu verfassen, aber es hat geklappt. Ich bin nach der Arbeit meistens so übermüdet und am Wochenende bin ich wieder unterwegs. Da ich mir heute am Abend noch ein Nickerchen gegönnt hatte, bin ich gerade top fit! Außerdem ist es der 100ter Beitrag auf der Sexchronik; wow, kann es kaum fassen, wie weit wir hier gekommen sind. 

Es gibt noch so viele Dinge über die ich schreiben möchte. Vorallem über meine Fortschritte beim Shibari und irgendwann möchte ich meine 2.x Geschichte zu Ende bringen. Oder eben noch mehr Geschichten aus meinem Leben erzählen. Dadurch, dass ich mich viel mit Seilen beschäftige und durch das Tattoo (das ich heute Abend kriegen werde), eine Weile nicht in Seilen sein werde, empfinde ich bisschen Sehnsucht danach. Also passt es ganz gut, wenn ich darüber schreibe, was ich daran so liebe. (Neben der Tatsache, dass ich meiner Kurzgeschichte „Rigger sucht Muse“ weniger über Seile geschrieben hatte als gedacht.)

Warum ich es liebe Rope Bottom zu sein

(Hier gilt nur mein eigenes Empfinden.)

Seile am Körper zu spüren finde ich unglaublich besonders. Es ist ja auch nicht alltäglich Seil als Material an sich zu haben. Shibari ist einer der Dinge, wo ich mich am schnellsten fallen lassen kann. Je mehr Seile um mich gewickelt werden, desto mehr entferne ich mich in die schöne Welt des Subspaces. Neben den Seilen mag ich auch diese körperliche Nähe, die ich mit dem Rigger teile. Seinen Atem zu hören, seine Berührungen zu spüren. Zwei Menschen kreieren einen Moment, der sie auf eine ganz eigene Art verbindet. Hach und ich liebe es Seile im Gesicht zu haben!

Außerdem empfinde ich meinen eigenen Körper ganz anders. Mein Atem ist präsenter, ich konzentriere mich auf Stellen, die ich sonst als einen selbstverständlichen Teil von mir sehe. Ich fühle mich sicher und umarmt. Es ist so wie meditieren, nur viel schöner und intimer. Ich mag es, dass es ein komplexer Prozess ist im Vergleich zu anderen Bondagearten, wo das Ergebnis eher wichtig ist. „Ich möchte gerne eine Person bewegungsunfähig machen oder in XY-Pose schnell bringen um XY zu machen“.

Beim Shibari brauche ich nicht unbedingt andere Dinge, damit es sich vollständig anfühlt. Es ist eine Welt für sich, die ich eigentlich gar nicht in Worte fassen kann. Da jeder Mensch anders Dinge empfindet, kann man keinem wirklich erzählen wie es genau ist. Macht euch selbst ein Bild. Vielleicht mögt ihr es, vielleicht auch nicht. Es gibt da eben kein richtig oder falsch. Lasst euch da nicht von irgendjemandem beeinflussen.

Im ersten Schritt unterscheide ich erstmal grob zwischen drei Punkten. Grundsätzlich fessele ich aber nur mit Menschen, die mir sympathisch sind.

  • Übungsbunny
    Der Rigger übt gewisse Fesselungen und Techniken. Da steht für mich eher der Aspekt im Vordergrund dem Rigger zu helfen. Das heißt für mich, dass ich nicht unbedingt abschweife und eher konzentrierter bin um Feedback zu geben. Ich mag den gemeinsamen Lerneffekt, weil ich selber auch aktiv fessele und dies und das mitnehmen kann. Bunnies habe ich genug, würde es aber auch toll finden jemandem sein Übungsobjekt zu sein. Am besten jemanden, der total crazy ist und eine Menge Dinge ausprobieren möchte. Auf dem Anfängerlevel ist es nicht so schwer jemanden zu finden, im Fortgeschrittenen Bereich ist das schon bisschen anders.
  • Fesseltreffs
    In einem Raum zu fesseln, wo auch andere Menschen anwesend sind, ist noch ein Ticken anders, als wenn man es privat zuhause tut. Mehr dazu im nächsten Punkt. Ich kann mich da trotzdem gut fallen lassen und genieße es. An sich mag ich es nicht, wenn andere Menschen mich anglotzen, aber in Seilen fühle ich mich schöner als sonst, deshalb macht es mir da nichts aus. Und ich bin eh woanders, wenn ich so darüber nachdenke. Trotzdem würde ich mich da nicht nackt präsentieren. Fesseltreffs sind eine tolle Sache, man lernt viele Leute kennen und kann sich über vieles austauschen. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle Menschen, die solche Events organisieren. (Ich werde noch über andere Treffs schreiben und hier ergänzen, aber vorerst könnt ihr über „Espace Shebari“ lesen, falls ihr es noch nicht getan habt.)
  • Zweisamkeit
    Die andere Dinge mag ich auch, aber Zweisamkeit kann man fast nicht übertreffen. Da wäre es für mich in Ordnung ohne Kleidung zu fesseln und wenn es vorher abgesprochen ist, auch andere sexuelle Elemente einzubauen. Derzeit habe ich gar keine Tops, aber ich würde es nicht ablehnen jemanden zu haben, der mich regelmäßig in Seile nimmt. Ob Beziehung oder Freundschaft ist jetzt nicht ausschlaggebend. Hier kann sich das Intimitätslevel ins Unendliche steigern. Da ich eine Blockade habe, wird es wohl erstmal kein Bestandteil meines Lebens sein. Wer weiß schon, was noch passieren wird.

Nachdem es klar ist welches Verhältnis zwischen mir und der anderen Person besteht, geht es darum ob ich an dem Tag spezielle Bedürfnisse empfinde. An vielen Tagen möchte ich, dass die andere Person das tut, was sie möchte. An anderen habe ich Wünsche. Da gibt es eine schöne Bezeichnung in einem Impuls, wo man darüber spricht wer die Person ist, die ein Geschenk erhält. (Wer einen FetLife-Account hat, kann hier nachlesen.)

In dem Fall, wenn ich die Person bin, die seine Wünsche äußern möchte und mein Rigger etwas für mich tut, gibt es nochmal ein paar Unterscheidungen/Punkte, die ich definieren möchte. Ich weiß dann meistens, ob ich lieber entspannen oder leiden möchte. Dadurch erschließt sich oft auch schon ob ich lieber eine Bodenfesselung machen möchte oder Suspension. Bodenfesselungen können gegebenenfalls auch schmerzhaft sein, aber die Suspensions sind meiner Meinung nach sowieso an Schmerz gekoppelt. Mal mehr, mal weniger.

  • Entspannung
    Wenn ich mich dafür entscheide, finde ich Bodenfesselungen bis hin zu Semi-Suspensions passender. Ich liebe das Gefühl nach und nach entspannter zu werden. Oft kämpfe ich dann damit, dass ich nicht einschlafe. Als würde ich mit jemandem im Bett kuschelnd in seinem Arm liegen, er meinen Kopf streichelt und mir (in meinen Träumen) etwas vorsingt. Hm, Seilkuscheln?
  • Leiden
    Das ist wahrscheinlich mein Favorit of all time. Ich bin ein wenig masochistisch veranlagt und mag es Schmerzen zu empfinden. (Mehr über Schmerzen hier.) Es ist faszinierend welche Posen mein Körper mit ein wenig Hilfe in der Lage ist zu machen. Neben der Tatsache wie viel Spannung und Schmerz er teilweise aushalten kann. Da ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, dass man ein gutes Körpergefühl hat. Sich herauszufordern kann was Gutes sein, aber wie es bei vielen Dingen so ist, dass wenn man zu sehr übertreibt, es ziemlich hässliche Konsequenzen geben kann. Hier gibt es wieder Unterschiede zwischen schönem Leiden und schreckliche Schmerzen.

Bodenfesselung vs. Suspension

Ich könnte mich gar nicht entscheiden, aber wenn ich es zusammenfassen sollte, finde ich eine gesunde Mischung aus beidem perfekt. Es gibt noch sehr viele Suspensions, die ich gesehen hatte und das gerne mal selber erfühlen möchte. Jedoch tendiere ich tatsächlich in Richtung Bodenfesselungen und Semisuspensions, da ich mich meinem Rigger näher fühle, als wenn ich rumbaumel‘. Ich weiß nicht ob es Leute gibt, die da einfach ewig abhängen können, aber ich kann es nicht. Irgendwann wird es anstrengend die Spannung zu halten oder der Schmerz ist doch stärker als ich selbst. Spätestens, wenn meine Arme komplett eingeschlafen sind und ich sie nicht mehr spüre, sollte es auf jeden Fall vorbei sein.

Das ist mein jetziger Stand der Dinge. Ich werde sicherlich über die Zeit mehr Erfahrungen machen und falls ich wichtige Erkenntnisse gewinnen sollte, werde ich es euch nicht vorenthalten. Zum Schluss möchte ich nur ganz kurz das Thema Konsens und Sicherheit anschneiden. Es gibt eine Menge Texte darüber und ich könnte wahrscheinlich noch die nächsten 1300 Wörter darüber verlieren, aber weil ich es wichtig finde, die Kurzfassung:

  1. Passt auf euch und euren Körper auf.
  2. Das fängt schon bei der Wahl des Riggers an.
  3. Kommuniziert eure Grenzen und Wünsche.
  4. Es ist okay abzubrechen, wenn man sich nicht gut fühlt.
  5. Genießt es und habt Spaß (:

 

Wie immer hatte ich viel Spaß beim verfassen und hoffe ihr hattet eine schöne Zeit. Eventuell liest ihr diese Woche noch was von mir. Ansonsten wünscht mir Glück bei meinem Test am Freitag und bis zum nächsten Mal! (:

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Ein Gedanke zu “totd #19 – Rope Bottoming

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