totd #30.1 – Guter Sex: Blümchensex?

Heute werde ich darüber schreiben was guter Sex für mich bedeutet. Edit: Das Thema ist viel komplexer als ich dachte, also werde ich es in mehrere Teile splitten. Im heutigen Teil möchte ich meine Gedanken zum „Blümchensex“ und die Intimität hinter Zärtlichkeiten dieser Art von Sex teilen.

Ich rede öfters mal über schlechten Sex, aber eigentlich habe ich mich nie damit beschäftigt, was es für mich überhaupt gut macht. Warum ich trotzdem gerne Sex habe, obwohl es mir als (Demi-)Ace recht egal sein kann, ob ich welchen habe oder nicht. Ich wusste irgendwann nur, dass ich keine Egoficker mag. Die letzte Woche habe ich sehr viel reflektiert, nachgedacht und mir Fragen gestellt. Fragen, die ich damals nicht hätte beantworten können. Dafür grabe ich eine kleine Geschichte aus meiner Vergangenheit aus.

„Auf was stehst du?“, das war eine Frage, die mich rot anlaufen ließ. Ich war immer sehr beschämt zugeben zu müssen, dass ich eigentlich gar keine Ahnung habe wie Sex funktioniert. Geschweige denn wie guter Sex funktioniert und wie ich es denn mag. Dann war da noch die Tatsache, dass ich nie einen Orgasmus durch Sex hatte. Masturbieren habe ich irgendwann gekonnt und es war einfach, aber ich war bei Menschen nie ansatzweise nah dran. Ich wusste nicht wirklich wie ich damit umgehen soll, also war die einfachste Lösung meinem gegenüber sehr früh mitzuteilen, dass ich das nicht kann. Wenigstens hat es mir den Druck weggenommen.

Ich lernte auf Tinder „RN“ kennen. Er war ein good boy, aber eigentlich fand ich ihn von Anfang an nicht wirklich interessant. Jedoch hat er viel Interesse an mir gezeigt und ich entschloss mich ihm eine Chance zu geben. Ich fuhr Freitag Nachts nach der Arbeit in sein Kaff und wir saßen auf der Couch und haben geredet. Er fragte mich was ich mag und ich schmiss nur so mit losen Antworten um mich herum und hoffte dieses Gespräch würde danach zum Ende kommen. Trotzdem hat er nicht nachgelassen und wir einigten uns, dass wir zusammen Sachen ausprobieren könnten und er das nicht schlimm findet, dass ich unwissend bin.

Er war sehr sanft zu mir und berührte mir überall. Ich erinnere mich als er zum ersten meine Vagina gesehen hat und mir Komplimente gemacht hat, wie schön sie ist. Es dürfte das einzige Mal bisher gewesen sein, dass mir jemand gesagt hat, dass meine Muschi schön ist. Ich selbst habe keine Vagina-Komplexe und finde sie hübsch, aber irgendwie war es trotzdem sehr schmeichelhaft, dass er sie so toll fand. Das Vorspiel ging sehr lang. Er hat mich unterschiedlich berührt und mich gefragt ob ich es gut finde. Dann hat er reingesteckt, mich 10min penetriert und ist gekommen. Ich natürlich nicht.

Also nicht, dass es mir wichtig wäre, aber irgendwie war ich dann doch enttäuscht. Ich dachte mir dann nur, dass ich Sex weiterhin beschissen finden werde und darauf verzichten kann. Vorspiel war für mich alles was ich an Sex geliebt hatte. Penetration oder nicht war mir schon immer unwichtig. Aber ich habe meine Hoffnung nicht verloren und war dann irgendwie doch so heiß auf ihn, dass ich sogar dann an einem Tag die Arbeit geschwänzt hatte um zu ihm zu fahren. Ich war mega notgeil und habe gehofft er würde mich richtig durchficken.

Wie mein Schicksal es so wollte, wurde ich überhaupt nicht durchgefickt. Ich dachte er wäre nur sanft zu mir, weil wir uns nicht kennen, aber es hat sich herausgestellt, dass er nicht hart fickt. (Mehr über hart ficken, werde ich in einem der nachfolgender Teile schreiben.) „Ich bin eher der zärtliche.“, ich erinnere mich, wie meine Gedanken sich darum kreisten, dass ich niemals befriedigt sein werde. Dass ich niemals wissen werde, was ich an Sex mag. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich es bis ich jetzt angefangen habe intensiver darüber nachzudenken immer noch nicht. „RN“ und ich haben uns dann nie wieder gesehen und es ist auch okay so.

Seit ich BDSM für mich entdeckt habe, hat sich mein Bezug zu Sex und vorallem zum zärtlichen Sex sehr viel verschoben. Es war mir plötzlich klar, dass ich Sex scheiße finde, weil ich einfach kinky bin. (Da wusste ich noch nicht, dass kinky Menschen durchaus Sex mögen.) Und je mehr ich Kink erforscht habe, desto geringer war mein Interesse an eigentlichem Sex. Das war was Gutes, weil ich dadurch gelernt habe mit meiner Asexualität umzugehen. Mir wurde bewusst, dass es kein falsch oder richtig gibt, wenn es darum geht wie ich Sex empfinde und ich nicht weniger ein Ace bin, weil ich sexpositiv bin und Sex sogar mag.

Ich habe gelernt, dass ich Sex nie wirklich wie andere empfinden werde und ich nie Sex als die schönste Nebensache im Leben betrachten werde. Weil ich Sex immer als unglaublich sinnlos betrachtete, war für mich Sex einfach nur Scheiße. Es fühlte sich so an, als müsste ich auf Sex abfahren und es wollen, alles andere wäre sehr unmenschlich. Jetzt weiß ich, dass ich nicht mehr nach dem Gral suchen muss, sondern einfach Sex genießen kann, für das was es für mich ist. Nämlich eine schöne Tätigkeit und nicht mein Trieb zur Fortpflanzung.

Was ich ja eigentlich sagen wollte ist, dass ich die Zärtlichkeiten vom Blümchensex sehr mag. Sie machen mich nass, ich kann abschalten und mich öffnen. Ich mag es, wenn man mir sanft durchs Haar streichelt, mein ganzer Körper geküsst und angefasst wird. So wie ich es auch genieße den Körper meines Partners zu erkunden. Ich mag es langsam, lang und frei. Einfach dieses im Moment mit jemandem zu sein und wirklich nackt zu sein. Den Atem an meinem Nacken zu spüren. Das ist sicher mein Favorit. Kein Druck. Kein Wecker. Keine Sorgen.

Ich liebe diesen Moment, wenn man sich tief in die Augen schaut, sich näher kommt und sich dann ganz langsam vortastet und anfängt sich zu küssen. Manche würden es als Liebe machen bezeichnen, ich referiere es lieber als Sex leben/ schöner Sex. Vorallem weil ich solche Erfahrungen auch hatte, obwohl man sich nicht gegenseitig geliebt hat. Es ist auf jeden Fall mehr die emotionale Intimität und das Herzklopfen für mich, als das „ich bin so heiß, lass uns ficken Ding“. Wenn ich mit jemandem solche Art von sexueller Intimität erreiche, bin ich sehr giving und überwinde meine Schüchternheit und Unsicherheiten.

Das alles ist eher der emotionale Aspekt von vielen, weswegen ich Sex mag. Es trägt zum gutem Sex bei, aber es ist keinesfalls alles was ich mag oder von Sex erwarte. Ich mag auch das körperliche, den dreckigen Sex und einfach nur ficken. Dazu erfährt ihr bald mehr im Teil zwei (:

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3 Gedanken zu “totd #30.1 – Guter Sex: Blümchensex?

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