totd #37 – Wie geht dieser Sex?

Nach dem Sommerloch beschäftige ich mich wiedermal mit dem ewigen Leidensthema; meiner Sexualität. Die letzte Phase, die ich durchlaufen bin, war es meine „Asexualität“ zu akzeptieren. Ich empfand es als sehr mühsam, mich mit dem eigentlichen Problem zu beschäftigen und schob gerne alles darauf, dass ich eh keinen Sex haben will. Das ist aber nicht wirklich die ganze Wahrheit, da ich zu gewissen Menschen doch eine sexuelle Anziehung verspüre und demnach wahscheinlich demisexuell bin. Ich weiß nicht, ob es dasselbe ist wie andere empfinden, aber darum geht es auch nicht. Vielleicht ist es eine Art Zwang, aber manchmal möchte ich jemandem richtig guten Sex schenken und demjenigen das Gehirn aus der Birne wegficken. Naja, die Gedanken finden in meinem Kopf statt. In der Realität bin ich letztendlich doch blockiert und zeige nichts davon.

BDSM ist für mich so viel einfacher. Man redet rational darüber und macht dann genau das, was man abgesprochen hat und am Ende fühlt es sich „einfach“ und „natürlich“ an. (Ich gehe davon aus, dass beide sich kennen und Dinge im Consent geschehen.) Sex funktioniert in meinen Augen ganz anders. Ich lese ständig, dass man „guten Sex“ hat, wenn beide sich aufeinander einlassen und man sich fallen lassen kann. Wenn man den Kopf abschaltet und seinen Instinkten folgt. Meine Frage dazu ist: Wie zur Hölle soll ich da meinen Kopf abschalten? Darauffolgend habe ich mich damit beschäftigt, was die Gründe sein könnten, warum ich es nicht schaffe und deshalb der Meinung bin, dass Sex haben nicht meine Stärke ist.

Ich weiß nicht ob Sex so sein sollte, aber es gibt diese „romantische“ Kultur drum herum. (Oder das was man in Pornos sieht, was sich sehr konstruiert anfühlt.) Man schaut sich in die Augen, küsst sich, fasst sich an, macht sich geil, oral, fingern und dann penetriert man sich. Der Vorgang ist natürlich und beide sind im Einklang miteinander. Ich denke, dass meine Wortwahl ein wenig überzogen ist, aber ich hoffe, ihr versteht wie ich es meine. Für meinen Teil verstehe ich nicht den Übergang zwischen sich geil machen und der Penetration. Wie soll ich wissen, dass es soweit ist? Also das es jetzt Zeit ist den nächsten Schritt zu gehen? Einer der gängigen Ratschläge, die ich bekomme: „Man weiß/fühlt es dann einfach!“ Was ist mit Menschen wie mir, die einfach keine Sensibilität für diesen Schritt haben?

Mögliche Situationen:

  1. Die Person ist ein Ego-Ficker und macht eh was er/sie möchte.
    => Wenn die Person genau das macht, was mir auch gefällt, dann kann es sogar gut werden. In dem anderem Fall, kann es sein, dass ich mich wertlos und benutzt fühle. Auf eine nicht so gute Art.
  2. Es ist jemand, der weiß, dass ich niemals von mir aus was machen würde, es aber für mich in Ordnung ist, wenn derjenige es tut.
    => In seltensten Fällen kann es sicherlich passieren, dass derjenige sich wie ein Rapist fühlt. Was ich eher denke ist, dass der Mensch sind irgendwann nicht mehr begehrt fühlt und doch keine Lust oder Ansporn mehr hat immer den ersten Schritt machen zu müssen.
  3. Es ist jemand, der möchte, dass ich befriedigt bin und mich fragt, was ich möchte.
    => Sicherlich gibt es Momente, wo ich ein Bedürfnis nach etwas habe und es auch aüßern kann, aber letztendlich finde ich es am besten, wenn derjenige mich einfach für seine Triebe benutzt. (Außer ich will es wirklich nicht.)
  4. Ich soll den ersten Schritt machen.
    => Die Chancen wären höher, dass irgendwas passiert, wenn ich mit meinem Partner zusammen wohne. Sonst je nachdem wie die Sterne stehen, könnte es 1-2x im Jahr vorkommen, dass mir Sex „hole“.
  5. Ich cheate.
    Das kann so aussehen, dass ich so tue, als hätte ich Lust, in der Hoffnung ich habe sie doch irendwann oder auch nicht. Zum Glück kommt es im privaten Bereich gar nicht vor, dass ich das tue. Oder ich versuche meinen Kopf auszuschalten mit externen Mitteln wie Alkohol oder Weed.

Außerdem bin ich der Meinung, dass Sex mit Kondom gar nicht „natürlich“ sein kann. Nicht wegen wie sich das anfühlt, sondern wegen der Unterbrechung. Da ungeschützter Sex keine Option mehr für mich ist, seitdem ich poly lebe, habe ich nicht wirklich viele Optionen. Artemis sagte mir, dass man andeuten kann, dass man penetrativen Sex haben möchte, indem man vor dem Akt das Kondom so prepariert, dass beide es griffbereit haben. Dann muss man nicht so lange den Akt unterbrechen. Zudem es bei neuen Menschen auch signalisieren kann, dass man offen für Sex mit demjenigen ist. Ich denke an diesem Punkt, kann ich einfach nicht viel ändern, also lasse ich es einfach so als Info stehen.

Ich nehme gerne wieder einen BDSM-Vergleich, um meine Frage zu demonstrieren. Im Normalfall gibt es eine Rollenaufteilung. Einer ist Top und einer ist Bottom. Dann gibt es die Switches, wo es darum geht, wer sich „ergibt“, der ist eben dann unten. Beim Geschlechtsverkehr gibt es diese Dynamiken eher nicht. Natürlich kann ich als Frau wie ein Stern liegen und nichts machen oder eine Person möchte gerne bisschen dominanter sein. In diesem Fall gehe ich einfach von Sex aus, wo es kein Machtgefälle gibt. Es kommen mir dann tausende Fragen in den Kopf geschossen. Ist es okay, wenn ich jetzt nichts mache? Ist es schlecht, wenn ich doch keine Lust habe mich zu revanchieren? Wie viel ist genug? Wann ist es richtig? Es gibt jetzt sicherlich diese eine Fraktion, die den Kopf schüttelt und sagt, dass sowas natürlich passieren sollte.

Was ist, wenn dem nicht so ist?! Ist man für immer verdammt sich diese mühseligen Fragen stellen zu müssen?

Ich liebe direkte Kommunikation und Consent. Es fällt mir einfacher, wenn ich einfach frage ob jemand Sex haben möchte oder die Person es mir sagt. Ich habe schon Kritik dazu bekommen, dass es so trocken und unpersönlich ist. Manche empfinden es als übertrieben, dass ich in einer Partnerschaft frage, ob ich die Person anfassen darf. Es ist nicht so, dass ich ständig wegen irgendwas frage, eher bei Dingen, wenn ich unsicher bin. Es wird weniger, je mehr ich jemanden kenne. „Das killt die Stimmung. Das ist so unromantisch.“ Da ist meine Gegenfrage: „Welche Stimmung? Wenn ich eine wahrnehmen könnte, müsste ich ja nicht fragen?; Muss ficken zwangsläufig was mit Romantik zu tun haben?“

Mir ist bewusst, dass Sex viel mit Intimität und Nähe zu tun haben kann und ich hatte Momente in meinem Leben, wo ich sowas erlebt habe. Meistens entpuppen sich bei mir eher andere Gefühle, wie Angst vor Nähe oder Verlustängste. Oder mein Herz schlägt so schnell, dass mir gefühlt innerlich schon fünf Mal das Herz kurz stehen geblieben ist. In solchen Momenten fühle ich mich gar nicht gut und ziehe mich doch ein wenig zurück, weil ich völlig überfordert bin. Ich schreibe nicht so viel über meine Partnerschaften, aber die kennen meine „Drops“, wo ich komplett runter fahre und dadurch so ein komischer Cut passiert. Einerseits weiß ich, dass meine Partner voll rücksichtsvoll sind und mich nie zu etwas zwingen würden (außer ich möchte es 😛), aber manchmal fühle ich mich so, als würde ich sie einfach im Stich lassen oder enttäuschen. Ich weiß gar nicht wie ich es erklären soll.

Ich mag Vorspiel und ich mag es auch Menschen heiß zu machen und sie anzufassen, aber ich habe anscheinend diese Blockaden wenn es um die Penetration geht, sogar schon wenn ich das Gefühl habe, dass mein gegenüber Lust darauf empfindet. Es tut weder weh, noch fühlt es sich schlecht oder eklig an und vergewaltigt fühle ich mich auch nicht. Meine Frage ist, ob ich einfach verloren bin und nie versuchen soll ein „aktiver“ Sexpartner zu sein, ich für immer cheaten soll oder es einen anderen Weg gibt, wie ich es schaffe sexuelle Penetration als was „natürliches“ zu sehen. Dieses Mal bin ich die Person, die gerne Input haben möchte, weil ich echt nicht weiterkomme… Freue mich über jeden Tipp oder Anregung, die mir helfen könnte!

Danke <3

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